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Hobby Definition oder “tu’ das, was Du willst”

Für den Begriff “Hobby” gibt es, meines Wissens, keine wirklich wortgetreue und adäquate Definition.

Ich persönlich verbinde damit eine bevorzugte Tätigkeit, die ich in meiner Freizeit ausführe. Das ist natürlich ein weitgefaßtes Feld. In seiner Freizeit tut ein Mensch eine ganze Menge. Essen, Trinken, Duschen oder aufs Klo gehen können wohl durchaus  angenehme Tätigkeiten sein, ob man Sie als Hobby bezeichnen kann ist allerdings fraglich. Immerhin handelt es sich dabei um lebensnotwendige Dinge, auf die kaum (?) jemand wirklich verzichten kann. Um ein Hobby als solches bezeichnen zu können, muß also schon ein wenig mehr dazu gehören. Ein Hobby ist im allgemeinen nicht Lebensnotwendig, zumindest nicht für das physiologische Überleben. Obwohl hier sicher geteilte Meinungen vorherrschen dürften ;-)

Hobbies werden häufig aus Wissensdurst, Genußsucht, Neugierde, streben nach Perfektion, streben nach Erfolg oder wegen ihrer Popularität heraus ausgewählt. In meinen Augen ist ein Hobby jedoch nur dann ein solches, wenn man es völlig ohne jeden für andere ersichtlichen Grund heraus ausführt, einfach weil man selbst Spaß daran hat.
Auch Idealismus und Träumerei können wohl eine, bisweilen große, Rolle dabei spielen. Viele Menschen “verschwenden” Ihre wertvolle Zeit mit Tätigkeiten, die für andere Menschen völlig unsinnig und nicht nachvollziehbar erscheinen. Die Sammelwut mancher Zeitgenossen für
obskures und skuriles ist beispielsweise ein Posten auf dieser langen Liste.
Ich denke, ein Hobby ist also reiner Selbstzweck. Sinn und Zweck in den Augen anderer muß nicht zwangsläufig damit verbunden sein.
Ich habe viele Dinge aus reiner Neugierde getan und werde es sicherlich auch weiterhin tun, nicht wissend, ob mir das ganze wirklich auf Dauer Freude bereiten wird.
Fallschirmspringen war so ein Experiment (und ist nicht zu einem Hobby geworden). Tauchen auch, allerdings nur selten und dann im Urlaub. Sportarten wie Badminton, Judo, Ju-Jutsu, MTB, Triathlon, Schwimmen, Squash und Tai-Chi & Volleyball habe ich teils über Jahrzehnte hinweg betrieben. Viel davon mehr oder weniger parallel. Anderes, wie Klarinette lernen, Motorrad fahren, Oldtimer basteln oder auch Feng Shui oder Qui Gong mache ich nur, wenn ich gerade mal Lust oder Grund dafür habe. Diverse Dinge kommen und gehen. Einige bleiben: Motorrad, Orchideen, Land Rover, Badminton, Science Fiction, Kino, usw. Jedoch teilweise mit langen Pausen (z.B. mangels Zeit, Geld, Lust oder wegen ABwesenheit) dazwischen. Besser als arbeiten sind diese, persönlich befriedigenden Tätigkeiten sicher, nur zu schlecht bezahlt leider und die Zeit reicht eben nie für alles aus.

Auch wenn ich manchmal über lange Zeiträume hinweg eher weniger mache, interessiere ich mich für sehr vieles und versuche durchaus mein Wissen über ein Thema zu steigern oder zu vertiefen. In der letzten Zeit suche ich mir gewöhnlich ein Thema der Woche, das ich im Internet beackere. Einfach so, weil ich schon immer mal wasw darüber wissen wollte (derzeit gerade Hausboote, Möpse (der Hund!), Steuerketten Einstellung bei einer DR 800 Big... (Ja, man verzettelt sich leicht!)

Manche Hobbies betreibt ein Mensch sein Leben lang: Bei mir ist das sicher das Lesen (Science Fiction,
Reiseberichte, Fachzeitschriften, GEO, National Geographic, Mare und Comics).
Sport an sich zählt auch noch dazu. Auch wenn die Sportarten, wie beschrieben, häufig gewechselt haben. Schwimmen tue ich seit über dreißig Jahren, laufen ebenfalls. Früher sogar recht erfolgreich im Wettkampf (Schwimmen, Judo). Inzwischen nur noch aus reiner Lust an der Bewegung. Das gleiche gilt für das Radfahren. Damals (bis Ende der 80er und Studienende) habe ich täglich mehrere Stunden ‘Sport getrieben. Sieben Tage die Woche morgens und abends. Allerdings wusste ich da noch nicht, das das ganze mal Triathlon heissen würde ;-)
Inzwischen tue ich vieles aus Zeitnot eher selten. Hannover ist ausserdem zu platt und deswegen zu langweilig zum Laufen im Vergleich zum
Weserbergland (allerdings nicht im Vergleich zur Nordseeküste...)
Das Rennrad ist verkauft, waren die Mountainbikes häufiger Begleiter im
Gelände und bei meiner auswärtigen Arbeit (und früher sehr oft auch im Urlaub auf z.B. Kreta, Teneriffa und in Ägypten...) dabei, so tue ich das heute etwas seltener, das hängt wohl auch mit dem Alter zusammen.
Ich interessiere mich immer wieder für neue Dinge, etwa
GPS und Navigation, Webseitennerstellung, Japanische Schwertschmiedekunst, Internet Spiele, ergonomische Möbel, guten Wein, Reisen, Trekking, Globetrotting, Outdoor, Camping, Canoing... Eine Zeitlang habe ich mich mit Feng Chui beschäftigt, seit einigen Jahren mit Orchideen oder dem Rauchen einer leckeren Wasserpfeife oder einer Zigarre (früher undenkbar). Auch findet der Mondkalender immer mal wieder mein Interesse. Jedes Jahr nehme ich mir ein anderes Land recht intensiv vor, erst aus Büchern, dann, um es individuell zu bereisen. Früher oft mit Fahrrad oder Moppel/PKW. Ungern mit Flugzeug. Viel lieber fahre ich direkt dorthin, egal wie weit es ist. Das ist eine weit angenehmere Art, sich einer fremden GEgend, den dortigen Menschen und deren Kultur zu nähern, als einfach mittendrin aus dem Flugzeug zu steigen. In den letzten Jahren sind wir meist mit dem Land Rover oder der Enduro unterwegs. Aber auch der aufblasbare Graupner Kanadier kommt häufiger zum Einsatz. Das Motorrad begleitet mich oft auf kürzere Touren innerhalb Europas. Die Tendenz ist jedoch eindeutig, in immer schwerer erreichbare, unwirtlichere und dünner besiedelte Regionen zu gelangen. Sozusagen Zivilisationsflucht und -müdigkeit.

Die Dinge sind eben immer im Fluss. Immer kommt mal was Neues dazu, öfter lege ich ein Thema länger ad acta und krame es bei Bedarf wieder hervor. Es gibt so viele wunderbare Dinge (kennen-)zu lernen... Das Leben ist leider dazu viel zu kurz und überfrachtet mit Müll, Ablenkung und Sachzwängen, die leider sehr viel Energie erfordern, die anderswo besser angewendet würde.

Die (Reise-)Wege werden immer länger und verschlungener. Es klingt zwar abgedroschen, aber der Weg ist eindeutig das Ziel. Möglichst fernab befahrener Wege. Und das ist fast jeder Hinsicht und auch im wahrsten Sinne des Wortes.

Derzeit habe ich immer zwei Langbögen im Auto, um mir die Zeit zu vertreiben. Kochen und Orchideen wären für mich früher undenkbar als Hobby, heute verwende ich darauf erheblich mehr Zeit. Der alte
Jean-Luc, mein 1958er Peugeot 403 U5 Commerciale brauchte seine Zuwendung, danach der 1978er Citroen CX Serie I TRD Break und auch die alte 800er Enduro (Dr. Big) und “Trekker” der Rover brauchen ihre Streicheleinheiten.

Kino und
Filme sind schon immer ein absolutes Muss in meinem Leben. Freunde von uns besassen ein Kino, indem ich schon als 7jähriger Karten abreissen durfte und dabei dann die Filme kostenlos sehen konnte. Allerdings ist das Niveau in den Kinos (sowohl vom Publikum als auch häufig von den Filmen und dem Ambiente) mittlerweile derart miserabel, das ich zähneknirschend ein Heimkino mit DVDs betreibe und mir alle meine Lieblingsfilme kaufe, statt zweimal die Woche ins Kino zu gehen. Alte Kinos sterben leider schon lange. Manche Hobbies werden also auch von äusseren Umständen diktiert. Die Welt wird durch die Menschen immer gleichförmiger, langweiliger und farbloser,. Bald scheint es nur noch McDonald, Coke, H&M, Telekom und VW und vielleicht noch 50 andere Ketten oder Unternehmen. Überall sieht es dann gleich aus. Überall die gleichen Klamotten, die gleiche Nahrung, die gleichen Läden, überall Zäune, Verbote und, am schlimmsten, überall entmündigte MENSCHEN! “Geiz ist geil” und “billich willich” diktieren das Leben, aber alle Jammern trotzdem deswegen herum. Völlig widersinnig.
Viele schöne Dinge geraten in den letzten Jahren in Vergessenheit, das mag ja einerseits normal sein, aber der derzeitige Umfang dieser Veränderung ist doch erschreckend. Kramt jemand etwas ungewohntes hervor, prallt er unweigerlich auf Unverständnis, ja gar Unmut. Statt dessen sollten die Menschen über die Vielfalt in der Welt und in uns doch froh sein. In erster Linie herrscht aber Angst vor. Sehr schade.
In den letzten Jahren sind meine Hobbies immer exotischer geworden. Häufig sozusagen aus der Not heraus geboren, ein Habitat ganz für mich allein zu haben. Allein aus der Notwendigkeit heraus, nicht in einer Herde laufen zu können oder in der Nordkurve irgendeines Fußballstadions dem Massenwahn zu verfallen.

Hallenbäder sind leider immer zu voll, Freibäder mehr als halbjährig geschlossen,
Off Road fahren in Deutschland ist unmöglich, Bogenschützen sind alles potentielle Wilderer (Zitat eines Jägermeisters!), genau wie Soldaten halt Mörder sind usw. usf. Vorurteile diktieren den Alltag. Ich habe nichts gegen Schablonen denken und Vorurteile. Immerhin erkenne ich Opel- und  und BMW Fahrer allein schon an Ihrer Fahrweise und Audi Kombi Fahrer sind alles Vertreter... ,-) Ausserdem sehe ich mich selbst in dieser Hinsicht oft weitaus kritischer als meine Mitmenschen. Aber eine etwas differenziertere Sichtweise vieler Dinge stünde den Menschen doch gut zu Gesicht.
Das Problem ist auch, wozu werden diese Vorurteile eingesetzt? Als Frotzelei oder Abgrenzung oder um einen ersten Eindruck zu gewinnen sind Schablonen und
Schubladen durchaus angebracht und zwangsläufig notwendig. Allerdings sollte man die Schubladen auch mal wieder öffnen und regelmässig entstauben oder aktualisieren. Die meisten Leute verschliessen das Teil aber und werfen dann den Schlüssel weg. Das ist vermutlich der Moment, in dem der Keim zu Stagnation, Spiessigkeit und ggf. Extremismus, vor allem aber Unzufriedenheit anfängt zu keimen. Tja, Hobbies und neue Dinge verhelfen einen leicht dazu, seine Schubladen aufzuräumen, neue anzulegen, umzusortieren oder alte endgültig aufzugeben. Das setzt allerdings ständige Neugierde und permanentes Lernen voraus. Jemand der nicht bereit ist, etwas dazuzulernen, egal ob er meint, er (oder sie) wüßte schon alles oder aus reiner Bequemlichkeit, Dünkelhaftigkeit oder was auch immer, ist doch längst tot. (Leider gilt das jedoch nicht physisch. Da werden eher andere (ge-)betroffen.)
Ich für mein Teil liebe guten Wein, Whiskey, andere Länder, gutes Essen, fremde und neue Dinge, Reisen, meine restlichen Hobbies, und einen Haufen anderer Sachen. Im Gegenzug hasse ich ich eine Menge anderer Dinge. Nazis, billigen Wein, saure Milch, mangelnde Neugierde, mangelnde Bildung, schlechtes Lernverhalten, gepanschten Käse, schwache Auswahl im Supermarkt, mangelnder
Humor, teures Benzin... Es gibt tausende Dinge auf meiner Liste davon. Dankenswerterweise jedoch selten bestimmte Personen, eher Personengruppen (alles ab 10 Personen ist eben eh ein denkunfähiger Mob, bei drei Personen handelt es sich schon beinahe um einen Menschenauflauf). Ja, jedem seine Schubladen.

Leider gibt es etliche Gründe warum bestimmte sehr lieb gewonnene Tätigkeiten von mir nur noch selten oder gar nicht ausgeführt werden können. Einfach weil ‘es’ der gesellschaftlichen Norm nicht entspricht oder gerade nicht Hip ist. Das Ganze ist ein großes Ärgernis und nur mit viel Frust und noch mehr Aufwand durchzuhalten. Ein ständiger Kampf. Selbst das Fernsehen und Radio sind dem bei mir zu Hause zum Opfer gefallen. Es kommt einfach nichts, was auch nur annähernd so interessant ist, um diese Medien weiterhin sinnvoll nutzen zu können, von erschreckend wenigen Ausnahmen abgesehen. Alles nur Massenware und wirklich unter aller Kanone. Wen interessieren die chirurgischen Brustvergrösserungen geistig minderbemittelter Frauen oder ein Haufen Trottel in einem Container, denen man bei Ihren körperlichen  Verrichtungen zusehen soll.
Es ist soweit, das ich 8 €uro Eintritt dafür zahlen muss, 1 Stunde Werbung, dreckige Sitzplätze und lautes plumpes Publikum im Kino über mich ergehen lassen zu müssen. Eine Zumutung und reine Zeit- und auch Geldverschwendung! Zumal alle guten Programmkinos Hannovers nun bald verschwunden sind. Der wäre dann der endgültige Sturz in drittklassige Provinzialität. Das wird Hannover eh schon ständig bescheinigt, bislang war ich da allerdings ganz anderer Meinung...

Andererseits versuchen Sie einmal, Zubehör für das Langbogen schiessen in Deutschland zu bekommen, oder gar einen Platz zu finden, wo sie es auch tatsächlich ausführen können!!! Für Minoritäten und Minderheiten ist offensichtlich wenig Platz in Deutschland. Wobei ich mit Minderheiten lediglich Menschen meine, die Dinge tun, die nicht unbedingt verbreitet oder üblich sind.
Einzig mit Vereinsmeierei in geselliger Runde können in diesem Land auch etwas exotischere Verhaltensweisen durchgehen. Tut dies eine Einzelperson, so wird diese ein Problem bekommen, früher oder später.
Der Knackpunkt dabei ist, dass deswegen viele weniger übliche, aber nichtsdestotrotz wichtige, Gebiete komplett verloren gehen. Seien es Kenntnisse, Fertigkeiten, Erfahrungswerte o.ä. Alles mittlerweile grauer Einheitsbrei. Man trifft eben überall auf der Welt auf die gleichen Fressbuden, Klamottenläden und immer denselben Stumpfsinn. Globalisierung in dieser Form finde ich sowas von Sch...e!!!

Nun ja, es würde nicht weiter stören, wenn exotische Dinge und Verhaltensweisen einfach geduldet und meinetwegen belächelt würden. Das eigentliche Problem hier ist, dass alle Welt ständig versucht, uns von unseren, für uns persönlich wichtigen, Hobbies abzuhalten. Sei es durch Gesetze, Erschwernisse, Stirnrunzeln oder sonstiges. Die Liste ist hier beliebig verlängerbar... Eifernde Missionare, wohin man blickt.

Also wird bei mir auch weiterhin ein neues Hobby die Suche nach einem neuen Refugium sein, bis es sich wohl aufs Neue als ungeeignet erweisen wird, weil es Inkompatibel zur allgemeinen Meinung ist.

Es ist sehr schwer und ermüdender, sein “Ding” durchzuziehen, denn nie wird man einfach nur in Ruhe gelassen. Ist das wirklich so viel verlangt, einfach ignoriert werden zu wollen?